In Zeiten rasanter technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche stehen Beiräte und
Aufsichtsräte vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Sie müssen sich neu
positionieren – als Treiber von Transformation, als Mentoren für neue Führungsstile und
als kritische Stimme der Investoren. Dabei geht es nicht nur um Strukturen, sondern
auch um Werte, Lernkultur und ein generationenübergreifendes Verständnis von
Führung.
AI verändert die ganze Organisation
Wie sich diese Herausforderungen exemplarisch in der Pharmaindustrie zeigen,
veranschaulichte Dr. Alexandra Resch im aktuellen Monthly-Impuls des NextGen Board.
Die Gründerin von Resch Consulting und erfahrene Strategieberaterin gab praxisnahe
Einblicke in die Chancen und Spannungsfelder der AI-Transformation. Ihre zentrale
Botschaft: Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Technologien, sondern ganze
Organisationen – ihre Strukturen, ihre Denkweisen und ihren Führungsansatz.
Anhand zweier konträrer Fallbeispiele zeigte Resch, wie unterschiedlich Unternehmen
den Wandel gestalten. Während Organisationen mit traditioneller Governance AI-Initiativen
in bestehende Planungszyklen und Gremien integrieren – was für breite
Akzeptanz, aber langsamere Entscheidungen sorgt –, setzen andere auf Speed: Dort
arbeiten eigenständige AI-Teams mit direkter CEO-Anbindung, eigenem Budget und
einem jungen, agilen Mindset. Iteratives Arbeiten in Sprints, experimentelle Ansätze und
schnelle Prototypen stehen im Vordergrund – oft beginnen Projekte ohne klar definiertes
Zielbild oder abschließende KPIs.
„AI ist kein IT- oder Prozess-Thema“, betonte Resch. „Es ist eine strategische Priorität.
Und diese erfordert nicht nur neue Kompetenzen, sondern auch ein verändertes
Führungsverständnis: weniger Kontrolle, mehr Coaching und Enablement.“
Neues Selbstverständnis von Beiratsarbeit gefordert
In der anschließenden Diskussion des NextGen-Board-Netzwerks wurde klar: Die AI-Transformation
fordert auch ein neues Selbstverständnis der Beiratsarbeit. Die Gremien
müssen sich in Richtung Enabler entwickeln – mit einem geschärften Blick für
kulturellen Wandel, strategische Hebel und technologische Trends.
Ein weiterer Aspekt in der Diskussion war die Rolle der Generation Z, die als erste
Generation von Digital Natives neue Erwartungen an Kommunikation, Transparenz und
Partizipation mitbringt – und gleichzeitig durch die Pandemie einen erschwerten Start ins
Berufsleben hatte. Für Beiräte bedeutet das: Es braucht ein tiefes Verständnis für
generationenübergreifende Führungsansätze und neue Beteiligungsformate, um Talente
wirksam einzubinden und Organisationen langfristig zukunftsfähig zu gestalten.
Fazit: Künstliche Intelligenz ist nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern
ein Katalysator für kulturellen und strukturellen Wandel. Beiräte spielen dabei eine
zentrale Rolle: Als Impulsgeber für eine lernende Organisation, als Brückenbauer
zwischen Generationen – und als strategische Lotsen in einer hochdynamischen
Zukunft und zunehmend volatilen Märkten.
Autorin: Alexandra Leibfried (presse@nextgen-board.de)