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Beirat oder Aufsichtsrat? Zwischen Verantwortung, Wirksamkeit und Zukunftsfähigkeit

Learnings aus dem Panel mit Prof. Susanne Nonnast und Heike Niehues unter der Moderation von Maren Lorth:

In einer zunehmend komplexen Unternehmenswelt verändern sich nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch die Gremien, die sie begleiten und kontrollieren. Im Rahmen eines Panels mit Prof. Susanne Nonnast, Heike Niehues (Multi-Aufsichtsrätin und Beirätin) unter der Moderation von Maren Lorth (Inhaberin Mittelstandsberatung Mide – Mittelstand denken, Vorständin Generation CEO sowie Beirätin bei NextGen Board) ging es um die aktuellen Herausforderungen für Gremien, aber auch um die entscheidenden Unterschiede zwischen Beirat und Aufsichtsrat. Und auch um den Aspekt, dass Beides unter einem Dach möglich ist, also kein Entweder-oder mehr sein muss.

Beirat als strategischer Möglichmacher

Heike Niehues bringt es auf den Punkt: Während der Aufsichtsrat reguliert und klaren Haftungsregeln unterlegen ist, bietet der Beirat Freiräume für Diskussion, Reflexion und weitergehende strategische Beratung. Bedeutet in der Praxis, dass der Aufsichtsrat eher die Governance sichert, während der Beirat unternehmerische Tiefe bringen kann. Gerade bei Themen wie Pricing, Marktpositionierung oder Innovationsstrategien könne ein Beirat auf Zeit oder zu einem spezifischen Fachthema wertvolle Impulse liefern, ganz ohne formale Restriktionen, so Niehues.

Prof. Susanne Nonnast sieht allerdings auch Grenzen: Ein zusätzliches Gremium neben dem Aufsichtsrat kann in ihren Augen nur dann sinnvoll sein, wenn Rollen und Verantwortlichkeiten klar definiert sind. Denn nicht alles, was nach mehr Beratung klingt, bringt automatisch mehr Wirksamkeit. Entscheidend ist für sie Qualität, die sie vor allem an den Fragen misst, die gestellt werden. Und auch an der Offenheit, mit der sie gestellt werden dürfen.

Erfolgsfaktor Haltung: Beitrag schlägt Titel

Deutlich wurde in diesem hochkarätigen Austausch auch: Der Beirat ist das flexiblere Gremium mit Fokus auf Sparring und daher ideal für strategische Weichenstellungen. Der Aufsichtsrat hingegen bleibt Kontrollorgan mit strategischer Kopplung. Beide Gremien gewinnen dann an Wert, wenn sie nicht durch Formalismus, sondern durch Haltung geprägt sind.

Mandate seien kein Selbstzweck, waren sich die Expert:innen einig. Wer gestalten will, müsse sich einbringen, nicht nur beaufsichtigen. Erfolgreiche Beirats- und Aufsichtsratsarbeit erfordert Vorbereitung, echtes Onboarding, aktives Involvement und einen kritischen, respektvollen Dialog. Und sie verlangt regelmäßige Selbstreflexion – sowohl auf individueller als auch auf Gremienebene.

Weniger Formalismus, mehr Wirkung

„Es ist wichtig, genau hinzusehen: Wer bringt welchen Beitrag?“, sagte Nonnast. Es gehe nicht um Positionen, sondern um Substanz. Der Beirat, so Niehues, sei ein Raum für echte Expertise, nicht für Repräsentation. Und in einigen Familienunternehmen sei das Modell mit einem operativen Beirat und einem zusätzlichen Beirat für die Gesellschafter bereits Realität.

Einen interessanten Aspekt lieferte auch die Perspektive aus der Bankenwelt, die Maren Lorth einbrachte: Dort wird teilweise ein Kundenbeirat genutzt, als ein Brückenschlag zwischen Markt und Vorstand, der gerade keine Kontrollfunktionen hat.

Mandate, Motivation und Machtbalance

Was motiviert eigentlich zur Übernahme eines Beirats- oder Aufsichtsratsmandats? Für Heike Niehus ist es die Möglichkeit zur Gestaltung, allerdings nur, wenn operative Verantwortung nicht im Weg steht. Prof. Nonnast, die seit 2016 Aufsichtsrätin bei der Krones AG ist, stellte klar: „Ich übernehme nur, wenn ich wirklich etwas beitragen kann.“

Ein klarer Trend, der zudem benannt wurde: Berufliche Mandatsträger:innen, die zugleich aktiv in Geschäftsführung oder Vorstand tätig sind, bringen oft die wertvollsten Perspektiven ein. „Weil sie den Druck und die Dynamiken des operativen Geschäfts kennen“, so Nonnast.

Und sollte es einmal Unstimmigkeiten oder Konflikte geben, spielen informelle Allianzen im Gremium eine Rolle. Man sollte schon vorher wissen: Wer sind die Vertrauenspersonen, wenn es darauf ankommt? Wo findet Resonanz statt? Niehues zeigte sich überzeugt: „Ohne gegenseitiges Vertrauen funktioniert keine wirksame Kontrolle und keine gute Beratung.“

Fazit: Der Beirat ist kein Luxus – sondern ein strategisches Tool

Der Beirat kann – klug besetzt und klar positioniert – die Wirksamkeit von Governance-Strukturen deutlich erhöhen. Gerade in einer Zeit, in der Unternehmen agiler, resilienter und werteorientierter agieren müssen, ist er mehr als ein Anhängsel des Aufsichtsrats. Er ist ein Ort für mutige Fragen, konstruktiven Diskurs und echte Gestaltung.

Oder wie es in der Diskussion sinngemäß hieß: Der Beirat ist dort am wertvollsten, wo er nicht verwaltet, sondern bewegt.

Autorin: Alexandra Leibfried

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