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Dorette Segschneider: „Persönlichkeit als unterschätzter Performance-Hebel“

Beim virtuellen Oktober-Meet-up des NextGen Board e.V. stellte die Wiesbadener Unternehmensberaterin Dorette Segschneider ein Thema in den Mittelpunkt, das zunehmend an strategischer Bedeutung gewinnt: Die Persönlichkeit der handelnden Akteure – in Boards, Führungsteams und auf allen Ebenen der Organisation.

Transformationsexpertin Segschneider plädierte für eine klarere Integration persönlichkeitszentrierter Ansätze in die Beiratsarbeit. Ihre zentrale These: „Die Persönlichkeit ist am Ende des Tages die handelnde Instanz, die Prozesse voranbringt.“ Sie widerspricht damit dem verbreiteten Eindruck, Persönlichkeit sei ein weicher Faktor. Auf Basis ihrer Erfahrung in M&A-Prozessen und über 1.000 Vorstandsgesprächen ist Persönlichkeit für sie ein harter, messbarer Erfolgsfaktor.

Beiräte, so Segschneider, die Persönlichkeitsprofile relevanter Führungskräfte kennen und deuten können, erhöhen ihre strategische Wirksamkeit signifikant besonders in kritischen Phasen wie Wachstum, Nachfolge oder Restrukturierung.

In der Realität vieler Unternehmen sieht es jedoch anders aus. Zwar existieren vielfältige Daten zu Kompetenzen, Karriereverläufen und Leistung, doch Persönlichkeitsprofile sind kaum systematisiert erfasst oder strategisch eingebunden. Informationen liegen isoliert in HR-Silos, aktuelle Daten fehlen, Entscheidungen werden auf Basis veralteter Einschätzungen getroffen.

Die Folgen sind spürbar: Strategien werden im Top-Management entwickelt, doch auf operativer Ebene fehlen die Verhaltensinformationen, um diese Strategien wirksam umzusetzen. In Stresssituationen agieren Teams instinktiv mit klassischen Mustern wie Rückzug, Konfrontation oder Erstarren. Das Risiko von Fehlentscheidungen steigt.

Segschneider argumentiert für eine systemische Antwort: Unternehmen benötigen Plattformen und Prozesse, die Persönlichkeitsprofile und Kompetenzen gleichberechtigt abbilden und so eine Brücke zwischen Strategie und operativer Umsetzung schlagen. Dies sei nicht nur Aufgabe der HR-Abteilung, sondern erfordere das Mitwirken von Beiräten, Geschäftsführung und Führungskräften.

Anhand mehrerer Praxisbeispiele – von einem mittelständischen Bauunternehmen bis zur internationalen Skalierung eines Konzerns mit über einer Milliarde Euro Umsatz – zeigte sie, wie Beiräte über die Analyse von Verhaltensmustern gezielt ergänzen, Konflikte frühzeitig erkennen und Teams komplementär aufstellen können. Statt einer Idealbesetzung gehe es um Passung, Ergänzung und Entwicklungspotenzial.

Segschneiders Fazit: Persönlichkeitsorientierte Analyse ist kein Selbstzweck, sondern ein strategisches Steuerungsinstrument. Beiräte, die bereit sind, tiefer zu blicken und Verhalten als betriebswirtschaftliche Größe zu verstehen, können entscheidend zur Transformationsfähigkeit von Unternehmen beitragen.

Und wie passen Leadership und AI zusammen? Gerade von einem Kongress in den USA zurückgekehrt sagt Segschneider: „AI is not about technology – it’s about culture and trust.“ Wer Transformation wirklich gestalten will, muss beim Menschen ansetzen – bei seinen täglichen Mikroentscheidungen.

KI-basierte Persönlichkeitsdiagnostik könen dabei helfen, Kompetenzlücken frühzeitig zu erkennen und jene Persönlichkeiten zu identifizieren, die strategisch wirksam führen oder unbemerkt blockieren.

Autorin: Alexandra Leibfried

Warum das Wissen über Persönlichkeitsprofile ein Zukunftshema im der HR-Strategie sein sollte und wie Beiräte hier strategisch ansetzen können.